Krampfanfälle

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Lischen

Krampfanfälle

Beitrag von Lischen » Mi 24. Jan 2018, 21:32

Hallo,
meinem 6-jährigen Wellihahn Graham geht es seit heute Abend auf einmal sehr schlecht. Vorhin so gegen 16/17 Uhr saß er auf der Voliere und hat plötzlich ganz schlimm geschrien. Ich bin sofort rüber zu ihm, da lag er total schlaff auf der Voli, ich dachte schon er stirbt in diesem Moment. Nach ca. 10 Sekunden hat er sich dann aufgerappelt und saß wieder aufrecht, hat nur etwas nach Luft geschnappt. Ich habe in dann noch ca. 10 Minuten beobachtet. Zuerst wirkte er normal, ist ein bisschen rumgelaufen und auch geflogen. Dann ist er zweimal fast rückwärts umgekippt. Ich habe zunächst an eine Vergiftung gedacht, da er als einziger vorher etwas vom Rucola genascht hatte. Den hatte ich zwar gründlich abgespült, man weiß ja nie.
Ich habe ihn dann also eingetütet und bin durch die halbe Stadt zu meinem früheren VK TA (mein jetziger in der Nähe war schon im Feierabend). Auf der Fahrt und im Wartezimmer machte er einen stabilen Eindruck,hat am Anfang sogar durch waghalsige Turnmanöver versucht aus dem Transportkäfig zu entkommen. Die Tierärztin hat dann nach meienr Geschichte zunächst seinen Kot untersucht. Hier war nichts zu sehen. Wegen seiner Vorerkrankungen (vor Jahren war der Verdacht einer Leberentzündung geäußert worden, er lebt damit gut, nur Schnabel und Krallen sind etwas lang. Zudem ein Lipom, und ein vermeintlicher Hodentumor) entschieden wir uns für eine Röntgenaufnahme. Hierauf sah die Leber in Ordnung aus, auch der vermeintliche Hodentumor ist wohl doch keiner (die Verfärbung der Wachshaut hat wohl eine andere Ursache), jedoch sei das Herz vergrößert und stark sichbar, was auf einen Herzfehler schließen lässt. Ich bekam also Vetmedin mit, was ich ein bis zwei mal täglich verabreichen soll. Es verbessert wohl die Schlagkraft des Herzens.
Auf der Rückfährt war Graham natürlich total geschafft, fraß aber sogar etwas Hirse. ich war also eigentlich ganz guter Dinge.
Zu Hause setzte ich in dann wieder in die Voli, das es ihn normalerweise sehr stresst von seinen beiden Kumpels getrennt zu sein. Er kletterte auch sofort zu seiner ieblings Schaukel. Nach kurzer Zeit kippte er aber nach hinten über, ielt sich zunäachst noch mit einem Beinchen an der Schaukel fest, flatterte dann aber auf den Boden. Er kletterte sofort wieder hoch auf die Schaukel, aber nach einer Minute passierte das gleiche wieder. Dieser Zyklus wiederholte sich noch 2 mal, wobei das letzte Mal mit Zucken, Schreien und verdrehtem Kopf entdete. Ich setzte ihn also zurück in den Transportkäfig, wo er bis jetzt auf dem Boden sitzt. Er ist sehr aufgeplustert und döst, gähnt auch häufig. Krampfanfälle hatte er hier noch 2, jedes mal dachte ich, jetzt sei es endgültig aus mit ihm. Er kippt auch immer noch nach hinten weg, obwohl er auf dem Boden sitzt. es sieht fast aus wie bei einem Menschen, der kurz davor ist ohnmächtig zu werden: er legt den Kopf in den Nacken, wirkt weggetreten, taumelt kurz, fängt sich dann aber wieder. Wir sind jetzt ca 3 1/2 Stunden wieder zu Hause. Das umkippen ist weniger geworden, anfangs mehrmals in der Minute, aber grade während ich diese Zeile tippe hatte er wieder einen heftigen Krampfanfall. Mir dreht sich jedes Mal der Magen um. Ich weiß nicht, ob ich ihn nicht heute noch in einer Notsprechstunde erlösen lassen soll. Klar ersetzt das Forum keinen TA, sollte er die Nacht überstehen stehe ich da auch morgen wieder direkt auf der Matte, aber vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrungen oder aufbauende Worte für mich, ich werde wohl eh kein Auge zu tun heute Nacht.

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von Lucky Mona » Mi 24. Jan 2018, 22:59

Hab dir eine PN geschrieben.
Von Herzen alles Gute.

...hatte ich jedenfalls vor. :zwinker: Hab nicht ans Gästeforum gedacht.
Da geht es ja leider nicht.
:fly: :fly:

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von vögelchen » Do 25. Jan 2018, 10:31

Hat Dein kleiner Graham die Nacht überstanden? :bibber:
So, wie du es beschreibst, kann alles Mögliche dahinter stecken... Da er eine Lebervorbelastung hat, kann es sein, dass die Leber in eine Zirrhose übergegangen ist und damit ihren "Dienst", also die Entgiftung, immer mehr einstellt. In diesem fortgeschrittenen Stadium erscheint die Leber im RÖ-Bild häufig normal, da sie dann nicht mehr geschwollen ist, sondern fast nur noch aus verhärtetem Narbengewebe besteht - und wieder kleiner ist... In diesem Fall würden die Krampfanfälle durch die Vergiftung der Leber kommen, was dann leider auch auf das Gehirn geht...

Vielleicht stimmte auch tatsächlich mit dem Rucola etwas nicht, z.B. extrem gedüngt / Pestizide - Rucola soll sowieso sehr stark belastet sein. Meine Meerschweinchen haben z.B. vor ein paar Tagen konsequent frische grüne Kohlrabiblätter, auf die sie sich sonst wie wild stürzen, verschmäht. Die Blätter waren natürlich gewaschen und man hat ihnen absolut nichts Ungewöhnliches angesehen, aber irgendetwas stimmte damit ganz offensichtlich nicht... Und so was merken Wellis sehr wahrscheinlich nicht und fressen es dann leider trotzdem...

Kann Graham sich vielleicht irgendwie eine Bleivergiftung zugezogen haben? Das kann auf vielerlei Weise passieren: An verzinktem Käfiggitter, an Ketten, die zum Aufhängen von z.B. Schaukeln dienen, an Vogelspielzeug(!), an dem sich kleine Kettchen befinden, an Zinnbechern, die vielleicht auf dem Schrank stehen, an Bleibändern in Gardinen etc.... Die Symptome würden auch hierzu sehr gut passen, denn solche Vergiftungen gehen mit neurologischen Ausfällen und / oder direkten Krampfanfällen einher... In diesem Fall wäre es ganz wichtig, ihn möglichst schnell mit Infusionen usw. zu stabilisieren und Medikamente zum Ausleiten der Vergiftung zu verabreichen!
Alles Gute! :daumendrück:

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von Lischen » Do 25. Jan 2018, 11:07

Graham ist leider gestern um kurz nach 23 Uhr an einer Serie von Krampfanfällen gestorben.
Eine Bleivergiftung war so ziemlich das Eizige, was ich ausgeschlossen hatte. Ich hab den Piepern mitte 2017 ne neue Voliere gebaut und dabei unmengen von Geld für Edelstahldraht ausgegeben. Eben weil Grahams älterer Bruder Hook wegen eines Spreizbeins sehr viel am Gitter hängt und nagt. Beim Freiflug war Graham auch eher konservativ. Hat eigentlich immer nur seine Runde gedreht und dann auf der Voli gesessen, von daher würde mir hier auch keine Quelle einfallen.
Ich bin einfach immer noch schockiert, dass das so aus dem nichts kam und dann auch so fulminant... Ich hatte meinen Minischwarm in dieser Konstellation jetzt 6 Jahre und habe wirklich fast vergessen, was für einen Kummer einem die kleinen Pieper manchmal bereiten

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von Steffi-Lotte » Do 25. Jan 2018, 11:24

Hallo Lischen,

ich hatte das auch schon bei zwei Wellis, bei beiden kam es quasi auch über Nacht und hat recht schnell zum Tod geführt. Wie vögelchen schon geschrieben hat, kann das ganz verschiedene Ursachen haben und die Diagnose ist in so einem Fall auch alles andere als leicht bzw. oft unmöglich. Beim einen Welli vermute ich auch eine Lebergeschichte dahinter, beim anderen lagen keinerlei Vorerkrankungen vor.

Du bist also nicht allein, auch wenn das momentan vielleicht kein wirklicher Trost bist. Durch den schnellen Gang zum TA hast du aber sicherlich alles gemacht, was in diesem Fall möglich war. :wink:
Liebe Grüße von Steffi
mit Hugo, Lilly, Luna, Leo, Marie und Krümel

*Lerne den VWFD kennen*
*Du suchst einen Welli? Gib' doch einem Abgabetier ein neues Zuhause!*

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von timilu » Do 25. Jan 2018, 13:18

Es tut mir sehr leid, das es Graham nicht geschafft hat. :schnief: Diese schlimmen Krampfanfälle miterleben zu müssen war bestimmt sehr schwer und belastend. Ich drück dich mal vorsichtig.
Viele Grüße, timilu :fly:
und die Welligang Maxl, Lizzy, Robby, Gustav, Martha-Lotta, Ole, Polly, Jakob, Sirius, Rosalie und Flocke!

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von Lischen » Do 25. Jan 2018, 13:44

Vielen Dank für euren lieben Zuspruch. Sich mit anderen auszutauschen hilft doch etwas. Viele Leute verstehen ja nicht, dass man mit dem Herzen eben auch an so einem kleinen Welli hängen kann. Ich werde nachher zu meinem Vater fahren und ihn da neben meinen anderen Wellis "beerdigen". Und vielleicht schaue ich nächste Woche mal Tierheim vorbei, ob da nicht ein Welli sitzt, der sich über die jetzt leider frei gewordene Schlafschaukel freuen würde

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von vögelchen » Do 25. Jan 2018, 14:45

Lischen hat geschrieben:
Do 25. Jan 2018, 13:44
Und vielleicht schaue ich nächste Woche mal Tierheim vorbei, ob da nicht ein Welli sitzt, der sich über die jetzt leider frei gewordene Schlafschaukel freuen würde
Und ansonsten schaust Du vielleicht auch mal mit in unser Vermittlungsforum... :troest:

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Re: Krampfanfälle

Beitrag von MaggalW » Fr 26. Jan 2018, 08:39

Ich hab das ganze still mitgelesen. Tut mir leid, daß es so ausgegangen ist.
Ja in der Tat, nicht viele verstehen es, daß man so an seinen Vögeln hängt.

Ein Bekannter machte mal die bescheuerte Aussage: " Es gibt Leute, die fahren mit einem Spatz zum Tierarzt".
Ich wäre z.B. auch so jemand.
Solche Aussagen kommen von Leuten, die jeden Sonntag in die Kirche rennen, die Katzen ihrem
Schicksal auf dem eigenen Hof überlassen, geschweige den füttern. Pfui Teufel!
Sorry für das *Off Topic*.

War bestimmt schlimm anzusehen die Anfälle und dann auch noch hilflos zu sein. Nochmals mein Mitgefühl :(
Unvergessen: BATZI +19.10.16 HANNI +21.09.17 HANSI +14.04.18

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