Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

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Linchen

Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Linchen » Do 23. Mai 2019, 13:58

Hallo liebe Wellifreunde,

ich bin sehr verzweifelt, was meinen mittlerweile kleinen Schwarm angeht und erhoffe mir so sehr, dass ihr mir helfen könnt.

Kurz nach Ostern, vor 1 Monat, musste ich meine 12-jährige Wellensittichhenne Foxi einschläfern lassen. Sie hatte einen Tumor an der Niere, der nach außen wuchs und den Bürzel regelrecht verschob. Plötzlich trat akutes Nierenversagen ein und ich entschied mich schweren Herzens ihr weiteres Leid zu ersparen und ließ sie über die Regenbogenbrücke gehen. :schnief:

Ihr 11-jähriger Partner, mein kleiner Opi - wie ich ihn liebevoll nenne -, trauerte die ersten Tage, scheint aber gut zurecht zu kommen (Gott sei Dank). Er zwitschert, frisst, knabbert und putzt sich, so wie immer. Er ist nicht der, der mir Probleme macht.

Ich habe noch einen Wellensittichhahn (8 Jahre) und eine Wellensittichhenne (7 Jahre).

Früher, als ich noch 10 Wellis hatte, spielte jeder mit jedem und keiner wurde sich zu viel. Mein 8-jähriger Charlie wurde, je weniger Spielkameraden er hatte, immer aufgedrehter und aufdringlicher den verbliebenen Wellis gegenüber. Seitdem vor 1 Monat Foxi verstarb läuft es jedoch komplett aus dem Ruder. Er belagert den kleinen Opi pausenlos, sodass dieser einfach irgendwann regungslos da sitzt und man in seinem Gesicht regelrecht erkennen kann, wie genervt er ist. Der kleine Opi hat keine Sekunde Ruhe. Wenn das nicht schon genug wäre, geht Charlie auch noch auf die 7-jährige Wellihenne los. Sprich: Er beißt sie, schmeißt sie runter und fliegt noch auf sie drauf, obwohl sie schon am Boden sitzt.
Zur Sicherheit aller habe ich Charlie separiert, da seine Angriffe sehr heftig sind und ich auch Opi nicht dem Stress aussetzen will. Aber Charlie tut mir auch leid, da er nie alleine war. Auch, wenn er die anderen sehen kann, finde ich die Situation gemein für ihn. Ich wusste mir nur akut nicht anders zu helfen.

Zur Wohnsituation: Sie haben eine große Voliere von 1,60m Länge (das Käfigteil ist 80cm hoch). Momentan befindet sich in der Mitte die Trennwand und links sitzt Charlie, die anderen beiden rechts. Es gibt genug Spielmöglichkeiten und viel zum Knabbern (Kork, Kabob, etc.), so wie immer. Grünfutter und Hirse gibt es zur Zeit nicht, da ich erhofft habe, dass Charlie ruhiger wird (Frühlingsgefühle), wenn es lediglich die Tagesration Körnerfutter gibt. Leider ohne Erfolg. Freiflug könnten sie uneingeschränkt haben, aber seit Foxi gestorben ist, will keiner mehr die Voliere verlassen.

Hinzu kommt, dass sich der kleine Opi und die 7-jährige Wellihenne (Minchen) zwar nicht angreifen, aber sie waren noch nie Freunde. Sprich: Sie ignorieren sich den ganzen Tag. Früher im großen Schwarm war das kein Problem, aber jetzt wird es sehr stark sichtbar.

Ich habe nun ganz neue Spielsachen, Äste und Knabbersachen bestellt und werde die Voliere nochmal komplett neu einrichten. Ich fürchte nur, dass das nichts bringen wird. Gerade Charlie braucht jemanden, mit dem er spielen, toben und fliegen kann. Minchen und der kleine Opi sind aber charakterlich gar nicht so, dass sie zu Charlie passen (können auch beide nicht mehr fliegen).

Normalerweise würde ich jemandem wie mir raten, einfach 1 oder 2 neue Wellis dazu zu holen. Doch ich möchte nicht mehr aufstocken. Die Idee ursprünglich war, dass alle Wellis bis an ihr natürliches Lebensende bei mir bleiben dürfen und wäre dann noch einer von ihnen "übrig" geblieben, hätte ich ihn/sie in ganz liebevolle Hände vermittelt und somit die Wellihaltung nach über 2 Jahrzehnten aufgegeben. Ich hätte aber nie gedacht, dass genau die 3 Wellis übrig bleiben, die nichts miteinander anfangen können.

Das Beste für Charlie wäre eigentlich, wenn er in einen großen Schwarm käme, in dem er jeden beschmusen, besingen kann, mit jedem spielen kann, einen Flugkameraden findet und vielleicht sogar eine Partnerin oder einen Partner, der/dem seine Liebe nicht zu viel wird. Dann hätte er auch keinen Frust, den er momentan an Minchen auslässt.

Aber ist das das Richtige? Er ist von Küken an, seit 8 Jahren bei mir und ich könnte ihn niemals in ein Zuhause vermitteln, das ich nicht gut kenne oder an Wellihalter, die noch nicht so erfahren sind. Ich fürchte nur, er kann bei mir nicht mehr glücklich werden.

Und dann stellt sich noch die Frage: Was ist mit Minchen und Opi? Den alten Opi gebe ich nicht ab. Ich bin sein 4. Zuhause und mein Versprechen, dass er bis an sein Lebensende bei mir bleiben darf, das steht. Auch mein Minchen muss bleiben. Setze ich zu den beiden noch eine Henne hinzu? Minchen mag - aus irgendwelchen Gründen - Hennen lieber als Hähne (sie ist aber definitiv eine Henne). Aber wäre das nicht gemein Charlie gegenüber, wenn ich ihn abgebe?

Ihr merkt, mich überfordert diese Situation sehr. Was ist richtig? Was ist falsch? Ich möchte definitiv immer zum Wohl meiner Wellis handeln.

Ich danke jedem, der sich den Text bis zum Ende durchgelesen hat. Ich wäre euch sehr dankbar für Ratschläge und Tipps, aber auch für eure ehrliche und liebe Meinung.

Viele liebe Grüße

Linchen

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Re: Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Schmausi » Sa 25. Mai 2019, 22:22

Hallo,

das ist schon eine schwierige Situation. Da du eigentlich nicht wieder aufstocken möchtest wäre es sich
am vernünftigsten Charlie in einen anderen Schwarm zu vermitteln. Du kannst ja versuchen ihn in deiner Nähe zu vermitteln
mit der Option ihn ab und zu zu besuchen. Falls du noch eine Henne dazu holen möchtest kannst du ja erst einmal sehen
wie es mit diesen vieren funktioniert.
Es grüßen Birgit und die Hirsevernichter
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Re: Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Steffi-Lotte » So 26. Mai 2019, 09:19

Hallo Linchen,

ich denke auch, dass es sehr sinnvoll wäre, Charlie in einen Schwarm zu vermitteln. Ich habe selbst einen Welli aufgenommen, der in seinem alten Schwarm die anderen, allesamt älteren und/oder gehandicapten Vögel regelrecht terrorisiert hat und bei mir hat sich sein Verhalten völlig normalisiert. Einen einzelnen Welli gut zu vermitteln, ist meist auch nicht so schwer.

Dann würde ich zunächst ein bisschen abwarten, vielleicht auch 3-4 Wochen, wie es sich bei Opi und Minchen so entwickelt. Meist ändert sich auch das Verhalten der anderen Wellis zueinander, wenn sich die Schwarmzusammensetzung auf die eine oder andere Art ändert. Es kann also gut sein, dass die beiden dann doch Interesse aneinander zeigen, muss aber natürlich nicht. Ich würde aber erst nach dieser Zeit dann eine Entscheidung treffen, wie du mit den beiden Verbliebenen verfährst. :wink:
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Re: Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Wolf » So 26. Mai 2019, 13:46

Hallo Linchen, ich habe mir deinen Text mit Interesse durchgelesen, da ich im Augenblick in einer ähnlichen Situation bin. Auch ich bin unentschlossen und ratlos, was das Beste ist für meine verbliebenen Wellensittiche. Auch ich möchte eigentlich nicht mehr aufstocken, doch werde ich es wohl zu Gunsten des Gleichgewichts noch einmal tun.

Wie wäre es, wenn auch du noch einmal ein oder zwei Wellensittiche aufnehmen würdest, die natürlich in dem Alter deiner sein müßten. So könnten sie zusammen noch älter werden und es wäre wieder eine andere Gruppendynamik. Ich würde mich schwer tun mit dem Abgeben von Charlie. Die Entscheidung ist nicht einfach und ich drücke dir und deinen Wellis die Daumen! :wink:
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Re: Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Linchen » Di 28. Mai 2019, 09:13

Vielen Dank für eure Antworten.

Ich denke auch, dass es für Charlie das Beste ist. Eine Aufstockung kommt definitiv nicht in Frage. Denn am Ende schaffe ich mir mit einer Aufstockung ja immer wieder dasselbe Problem, dass irgendwer halt übrig bleibt. Momentan bleibt eigentlich auch mein Leben auf der Strecke, weil sich alles nach den Wellis richtet. Ich habe sie nun mal, habe sie ja auch lieb, und trage auch die Verantwortung für ihr Wohlbefinden. Doch mehrere Urlaube sind nicht möglich, obwohl ich diese für meine Psyche dringend bräuchte, da Minchen, nachdem sie zur Urlaubsbetreuung war, grundsätzlich einen Schub bekommt (Megabakterien). Ich kann bestimmte Jobs nicht machen, da ich auch mal 2 oder 3 Tage dafür nicht in der Stadt wäre. All solche Entscheidungen fielen immer zu Gunsten meiner Wellis aus.
Deswegen fällt es mir auch schwer, Charlie abzugeben. Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich ihn "loswerden" will. Wäre er glücklich in dieser Dreierkonstellation, dann dürfte auch er selbstverständlich bleiben. Ich möchte damit nur die Situation erklären, warum eine Aufstockung nicht in Frage kommt.
Ich hoffe, das kommt nicht herzlos rüber, was ich oben geschrieben habe, denn so ist es nicht.

Ich hoffe so sehr, dass Charlie zu einem Schwarm kommt, zu erfahrenen Wellihaltern, die mit ihm auch zu einem guten vogelkundigen Tierarzt gehen, falls er mal einen braucht (bisher war er immer nur als Begleitung mit, war nie selbst krank). Menschen, denen nicht wichtig ist, dass er nicht zahm ist und ihn auch nicht dazu drängen, sondern ihn einfach ihn selbst sein lassen. Menschen, die seine fröhliche Art zu schätzen wissen, dass er sie mit seinen Geschichten begrüßt und pausenlos liebevoll quasselt. Ein Zuhause, in dem es auch Wühlkisten gibt, aus denen er Holz, Kork, Blätter oder anderes Zeug rausholen und durch die Gegend tragen kann, was er so wahnsinnig gerne macht. Und in dem er wieder mit Freude seine Flugrunden drehen kann, weil er Freunde gefunden hat, die mit ihm um die Wette fliegen. :schnief: Jetzt werde ich wieder emotional, wie immer bei meinen kleinen Federbällen.

Viele liebe Grüße

Linchen

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Re: Wellihenne verstorben - Schwarm fällt auseinander

Beitrag von Wolf » Di 28. Mai 2019, 11:53

Ich verstehe dich total und du hast es gut beschrieben. Es ist ein Zwiespalt, indem man sich befindet. Setze deinen Charlie doch in die "Abgabe"-Rubrik und dann, wenn du einverstanden bist mit der Haltung derjenigen, die sich dann bei dir wegen der Aufnahme deines Wellis melden sollte, ist er nach einer Eingewöhnungszeit glücklich, du auch und deine verbliebenen haben es wieder ruhiger. :loving:

Ich allerdings habe wieder "zugeschlagen" und 2 alten Wellidamen, eine ist 8 1/2, die andere 10 Jahre alt, ein neues Zuhause und meinen 3 alten 10jährigen Herren wieder Anschauungsmaterial geboten. :grinser:

Viel Erfolg!
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